Mandelbaum Verlag

Als erster erwacht er, blüht rosa oder weiß und reift süße oder bittere Mandeln. Und ist als Mandelbaum verbreitet im Mittelmeerraum und Orient, wie auch in der Weltliteratur und durch die biblische Erzählung von Aarons Mandelzweig …

Als Verlag wurzelt der Mandelbaum in Wien, seit 2002 in dessen Zentrum. Aus der Wipplingerstraße in der inneren Stadt machen seine Bücher ihren Weg. Die »Mandelbäume«, das Team um den Verleger Michael Baiculescu, planen, lektorieren und gestalten, um drucken zu lassen auf gutes Papier. Sie präsentieren Mandelbaums Bücher auf Messen, im Kreis politisch Interessierter, an Orten, die aufhorchen lassen, in europäischen Metropolen, in Unis, Kapellen und Cafés, auf kritisch-engagierten und internationalen Buchmessen.

Mandelbaum-Bücher, das sind eine ganze Welt in Sprache, Bild und Laut: Gute Bücher, schöne Bücher, kritische Bücher in 10 stattlichen Reihen. Zwischen grafisch und künstlerisch gestalten Einbänden eröffnen sich oft Sachbücher, thematisch verlockend vielfältig zwischen Küche und Kritik. Erzählend von Historisch-Gesellschaftlichem, Literarischem, Gourmandisen, Städtischem; kunstvoll gestaltet und handverlesen, ebenso fein- wie scharfsinnig, und oft deutlich gesellschaftskritisch, so sind Bücher des 1996 entstandenen Mandelbaum Verlags, einem vom österreichischen Bundeskanzleramt und anderen geförderten Kulturprojekt. Die Handschrift des Verlegers ist konzis, so sympathisch bescheiden Michael Baiculescu geblieben ist, da’s mit dem ersten Programm begann: »Sie halten den ersten Prospekt eines neuen Verlags in Händen, der sich zum Ziel gesetzt hat, verborgene Schätze zu bergen und Verstecktes sichtbar zu machen …« Der aus Bukarest stammende Michael Baiculescu, als Grafiker ein Autodidakt, steckt mit seinem Grafikstudio in der Krise. Logisches Verlegen: Er gründet den mandelbaum-verlag in Wien. Ohne Kapital. Das erste Buch wird mit Hilfe der Wiener Brücke-Druckerei vorfinanziert. Dessen Thema ist Wien; das afrikanische Wien. Die nächste lohnenswerte Expedition zwischen Buchdeckeln bietet jenes Wien, wo das Dudeln dank Mandelbaum wiederentdeckt wird; nachzulesen wäre dies unter dem rätselhaften Titel: Orvuse on Oanwe.

1997 erschien das erste Kochbuch: Die Kunst der afrikanischen Küche von Phebe Ndam, prägend für mandelbaums Reihe feine gourmandisen. Diese stehen für Kochbücher, die sich inhaltlich wie in der Ausstattung dem Markt des Mainstreams wiedersetzen.

Eine Kostbarkeit wird im Jahr 2006 entdeckbar: Zum 200. Geburtstag von Alexandre Dumas erscheint bei mandelbaum die erste deutschsprachige Übersetzung seines kulinarischen Jahrhundertwerks – Das große Wörterbuch der Kochkunst, begeistert kommentiert von Presse und Magazinen wie essen&trinken.

Des Weiteren: Auch Kleines kann fein sein, so beweisen es in der Druckfolge die neuen Büchlein, die sich zwischen edlen bunten Covern ausschließlich einer Gourmandise widmen, seien dies die Holunderbeere, Maroni oder vergessene Gemüse wie Pastinake oder Quitte…

Nur Wildkraut, vulgo Unkraut, ist nicht zu vernichten, »außer man isst es auf.« Das empfiehlt Margot Fischer in ihrer Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen mit über 500 Rezepten. Die Wilden Genüsse sind ein außergewöhnliches Kochbuch, Nachschlagewerk und eine Kulturgeschichte für Kräuterliebhaber. 2012 kommt mit der ersten deutschen Übersetzung von Claudia Rodens The Book of Jewish Food ein weiteres Standardwerk – der jahrhundertealten jüdischen – Kochtradition hinzu. Beide verdienen einen Ehrenplatz unter den inzwischen 18 Bänden der mandelbaums feine gourmandisen.

Eines der älteren Verlagsthemen seit den 1990-ern ist mit der »Vorkämpferin« der Frauenbewegung, mit Rosa Mayreder, weiblich besetzt – und damit sind auch Philosophie, Lyrik, Malerei und Politik, Gesellschaft und Geschichte immer wieder ein Thema; das jüdische Museum Wien wird zum Partner, über das gleichnamige Ausstellung begleitende Buch E.M. Lilien – Jugendstil-Erotik-Zionismus.

Kooperationen und Werke zur jüdischen Geschichte entstanden zudem mit dem Institut für Geschichte der Juden in Österreich; jüdische Geschichte und Kultur ist, jiddische Perspektiven eingeschlossen, ein starkes Verlagsthema. Einer der bekanntesten »Protagonisten« des Verlags ist Karl Kraus, der in der Monographie Was wir umbringen mit Werk und Fackel vorgestellt wird.

Im Mandelbaum Verlag erscheint 2011 die politische Edition kritik & utopie: Sie bietet unter anderem Raum für emanzipative theoretische Entwürfe, Reflexionen aktueller sozialer Bewegungen, Originalausgaben wie auch Übersetzungen fremdsprachiger Texte. Das erste Buch der Reihe erscheint im Juni 2001 und mit dem Titel Mythos Nulldefizit –Alternativen zum Sparkurs entstehen weitere Bücher zu wirtschaftspolitischen Themen und internationalen Entwicklungen. Und mandelbaums Bücher stehen für Brücken, deren Bau in Connecting people mitschwingt. Connecting people ist ein Projekt der Asylkoordination Österreich, das jugendlichen Flüchtlingen eine emotionale Heimat bieten möchte. ermöglicht Begegnungen und hilft Grenzen und Barrieren zu überwinden. Gesucht werden Menschen, die mit jungen Flüchtlingen in regelmäßigen Kontakt treten. Die sogenannten PatInnen bekommen eine dreimonatige Ausbildung, bevor die Arbeit gegen Grenzen und Barrieren beginnt. Im Buch connecting people – jugendliche Flüchtlinge und ihre PatInnen erzählen stellt sich das Projekt in Geschichten und Interviews vor.

Seit dem Jahr 2000 gibt’s zudem, groß gedacht und großartig gemacht, Bildbände mit Fotografien aus 150 Jahren. Wien Heldenplatz ist der erste von zahlreichen folgenden großformatigen Bild/Textbänden bei mandelbaum.

Und Hörbücher, pardon Klangbücher, entstehen auch, und sind natürlich auch ausgezeichnet, zum Hörspiel des Jahres 2014 der Titel Die Letzten Tage der Menschheit. Was sie auszeichnet und abhebt von Hör-CDs, ist das klassische Bücherformat mit illustriertem Cover.

»Klassische« Reiseführer gibt es nicht, doch mit der Entwicklung herrlich unkonventioneller startet Mandelbaum 2003 seine Reise durch das jüdische Europa, sie bietet »neben praktischen Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart jüdischen Lebens auch die unsichtbaren Geschichten hinter der sichtbaren Welt.« Nachdem solcherart Wien und Paris entdeckt wurden, folgen Prag, Budapest, Amsterdam, London, München, und Istanbul und Marseille und die Provence (2013). Zudem erscheint Anfang des Jahres 2016 der vierte Band einer Reihe von Portraits afrikanischer Metropolen, alle herausgegeben von Margit Niederhuber: Networking à Dakar zeigt, wie die anderen Bände auch, ein bei uns kaum bekanntes urbanes Afrika. 2012 erschien mit Nairobi der erste Band, Maputo und Johannesburg folgten. Und immer Wien ein Ort und Buchthema wieder ist immer wieder auch Wien, point de départ reisender Mandelbäume und guter Bücher. Zur Weiterreise: ALLE MANDELBAUM BÜCHER KÖNNEN SIE ÜBER UNS BEZIEHEN, auch wenn sie nicht auf der LeViArte-HP sind.